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In unserer Schule kam ich in den zweimaligen Genuss an der Ausbildung zum "Ersthelfer" mit Erfolg teilnehmen zu dürfen.
In Zeiten des "Kalten Krieges" hätte doch jederzeit ein Weltkrieg ausbrechen können. Da war es lebenswichtig
einen "Ersthelferschein" zu besitzen.
Alleine schon beim ausüben des berühmt, berüchtigten Flaschendrehen, oder beim engumschlungenen Blues tanzen in
fast verdunkelten Räumen konnte so ein "Ersthelfer-Schein" sehr hilfreich sein. So konnte das erlernte Wissen über
grausamste Verletzungen beim Flaschendrehen und beim Blues tanzen optimal eingesetzt werden. Man stelle sich nur mal vor,
die Schnittwunden an der Hand, die einem vor lauter Aufregung zugefügt werden konnten, wenn die Flasche in der selbigen
zersprang. Oder die Bänderrisse bis hin zu gefährlichsten Knochenbrüchen, die einem beim Blues tanzen, in fast völlig verdunkelten Räumen
durch einen falschen Tritt, zugeführt werden konnten.
Ja, so ein "Ersthelfer-Schein" kann Leben retten.
Alles was wir in wochenlanger Kleinstarbeit erlernt haben, sollte mich zum zukünftigen besten "Schwerstverletzten Retter" (bei meinen
Fähigkeiten waren kleinere Verletzungsfälle nichts für mich) in unserem Ort machen.
Ich muss hier nicht erwähnen, das ich gleich nach der ersten Stunde Platz an der Wand gemacht habe, um die zukünftigen
Auszeichnungen, Ehrungen und das "Bundesverdienstkreuz am Bande" dort neben meinen "Kiss-Postern" unterbringen zu können.
"Bundesverdienstkreuz meets Kiss"
Ich begann langsam ein Gefühl für Notfallsituationen zu entwickeln. Wenn kleine Kinder zu Boden fielen, riss ich beide Arme
hoch und rief "Keine Panik, ich habe alles im Griff ! Ich bin ein Lebensretter..!". Ehrfurch machte sich unter dem staunenden
Publikum breit. Ich, der weltbester Sanitäter hatte es mal wieder allen gezeigt. Nach dem ich alle Gratulationen und
Schulterklopfen entgegen genommen hatte, wollte ich mich gerade daran machen, das gestürzte Kind zu helfen. Doch sobald ich
mich dem Kind genähert hatte, sprang dieses auf und rannte laut schreiend und panisch weg. Naja, man muss nicht immer
Leben retten, um zu den "weltbesten Lebensrettern mit Spezialgebiet Kleinkinder" zu gehören.
Teilweise musste wir unser Wissen schon während des Unterrichts anwenden. So hatten wir zur Übung bekommen, einen schwerst Verletzen
mit einer Decke zu bergen. Sechs Personen als Träger und eine Person, die den dahinsterbenden mimte. Alles war bis ins kleinste
durchgeplant. Der fast Tote lag bereits auf der Decke und alle Träger hatten ihre Position eingenommen. Der Gruppenführer
(in diesem Fall Führerin) brauchte nur noch das Kommando zum Anheben geben. Dann passierte es. Aus voller Kehle kam
das Kommando "Heeebt ab!". Der fast Tote wurde halb hochgerissen. Die ersten liessen den bereits Dahingeschiedenen vor Lachen wieder
los. Worauf sich die ganze Truppe vor Zwerchfellkrämpfen krumm bog. Die bereits fast verwehste Leiche knallte wieder zu Boden.
Es hat ewig gedauert, den nun bereits schwerst verletzten Totendarsteller noch einmal zu ermutigen, diese Übung zu wiederholen.
Und schliesslich hat es auch mit dem richtigen Kommando "Heeebt an" suuuper geklappt.
Die Übergabe der Urkunde zu bestandenen "Ersthelferprüfung" war brilliant und atemberaubend. Jeder wurde namentlich aufgerufen
und durfte vorne am Pult den "1. Hilfe Schein" entgegen nehmen. Als ich gerade meine 20 seitige Dankesrede vortragen wollte,
kam Bewegung in unserer Klasse. Es war wie bei einer Evakuierungsübung. Innerhalb von Sekunden war unser Klassenraum leer.
Mein Leben hatte sich schlagartig verändert. So ein "Lebensretterschein" konnte einem Türe und Tore öffnen. So konnte man bei
jeder Verabredung mit Mädchen sagen "sehen wir uns später? Ich werde auch auf dich aufpassen! Ich habe doch den Schein". Ja, ich
hatte den "Freischein"!
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